Im täglichen Leben gibt es mehrere Bezeichnungen für die Probleme von Kindern, die Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens haben. In der Fachliteratur wird häufig zwischen einer speziellen Lese- und Rechtschreibschwäche, der Legasthenie, und einer erworbenen vorübergehenden Lese- und Rechtschreibschwäche unterschieden.

Je nachdem ob sich Mediziner, Psychologen, Soziologen oder Pädagogen mit dem Thema auseinandersetzen, sind die Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Schreibens eine medizinisches, soziales oder ein pädagogisches Problem. Damit einher gibt es eine Vielzahl von Begriffsklärungen, was man eigentlich unter Legasthenie oder einer Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) versteht. Dabei reichen die Definitionen vom Entwicklungsrückstand über Begabungsmangel bis hin zu schwerer, nicht therapiebarer Krankheit oder Behinderung. 

Für die Weltgesundheitsorganisation WHO ist nach ICD-10 eine Lese-Rechtschreibstörung eine Entwicklungsstörung. Die Ursachen für diese Störung sind nicht fehlende Intelligenz, unzureichende Lernbedingungen, ausgeprägte neurologische Defizite oderBeeinträchtigungen im Seh- oder Hörvermögen.

 

Eine pädagogische Definition nach Dr. Astrid Kopp - Duller:

"Ein legasthener/dyskalkuler Mensch, bei guter oder durchschnittlicher Intelligenz, nimmt seine Umwelt differenziert anders wahr, seine Aufmerksamkeit lässt, wenn er auf Symbole, wie Buchstaben oder Zahlen trifft, nach, da er sie durch seine differenzierten Teilleistungen anders empfindet als nicht legasthene/dyskalkule Menschen. Dadurch ergeben sich Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, Schreibens oder Rechnens."

 

Die Diskussionen darüber wie man diese Probleme beim Erwerb des Lesens und Schreibens nennt und definiert dauern bis heute an und helfen betroffenen Kindern nicht weiter. Eine eindeutige, allgemeingültige Begriffsklärung gibt es bisher nicht.

 

Im schulischen Bereich wurde 1978 der Begriff der Legasthenie durch die deutsche Kultusministerkonferenz in ihrer Empfehlung an die Länder abgeschafft und durch die Beschreibung “Besondere Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesen und des Rechtschreibens” ausgetauscht, um klarzustellen, dass spezielle Förderung für alle Kinder mit diesem Problem - egal aufgrund welcher Ursachen - notwendig ist. In den meisten Bundesländern wurde diese Empfehlung auch umgesetzt.

Bayern gehört zu den wenigen Bundesländern das an einer Unterscheidung zwischen einer Lese- und Rechtschreibschwäche und einer Legasthenie festhält.

 

Je nach dem wie man Legasthenie/LRS definiert hat dies Auswirkungen auf einen Förderanspruch, Förderart und dem Förderumfang von betroffenen Kindern und Jugendlichen durch die Schule und auf außerschulischen Fördermaßnahmen.