Für Kinder die in die Schule kommen ist Mathematik so etwas wie eine erste Fremdsprache. Im Mathematikunterricht der Grundschule werden sehr viele neue Begriffe eingeführt. Dazu gehören beispielsweise die Begriffe Zahl, Ziffer, Kardinal- oder Grundzahl, Ordinal- oder Ordnungszahl, Menge, Summe, Differenz, Division, Multiplikation, Multiplikator, Einer, Zehner, Hunderter usw. Dazu kommen das Entwickeln eines Mengen- und Zahlenverständnisses sowie das Erlernen von Rechenverfahren, Strategien und Arbeitstechniken.

 

Manche Kinder bleiben bei der Vermittlung des Wissens auf der Strecke. Sie entwickeln eine Fehlvorstellung von der Mathematik. Sie verstehen nicht was sie tun, aber sie tun es um nicht aufzufallen, den Eltern und den Lehrern zu liebe oder um nicht als dumm dazustehen. Dabei entwickeln die Kinder eine Fülle von Kompensationstechniken. Damit kommen sie anfänglich auch überwiegend zu richtigen Ergebnissen. Dass die Kinder Probleme haben und manches noch nicht verstanden haben, wird dadurch verschleiert und nicht erkannt. Dieses unzureichende mathematische Fundament bricht dann zusammen, wenn die Anforderungen höher werden, der Zahlenraum erweitert wird, neue Rechenoperationen dazu kommen usw.

 

Man schätzt, dass 3 - 7% der Grundschüler extrem rechenschwach sind. Eine förderungsbedürftige Rechenschwäche hält man bei ca. 15% der Grundschüler für gegeben. (Lorenz2003)

 

Ebenso wie bei den Begriffen Legasthenie/LRS gibt es auch für Dyskalkulie/Rechenschwäche keine eindeutige und allgemeingültige Definition.

 

Mit Dyskalkulie/Rechenschwäche werden Schwierigkeiten eines Kindes beim Erwerb grundlegender Rechenfertigkeiten beschrieben.

 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft die Rechenschwäche als Entwicklungsstörung ein. Von einer Rechenschwäche spricht man, wenn Kinder beträchtliche Schwierigkeiten im Bereich der Grundrechenarten haben. Kinder mit Rechenschwäche sind mindestens durchschnittlich intelligent und durchaus in der Lage, logische Zusammenhänge zu erfassen. Sie haben im allgemeinen eine gute Merkfähigkeit und können dementsprechend in nichtmathematischen Bereichen angemessene Leistungen erbringen.

 

Dr. Astrid Kopp – Duller prägte folgende Definition:

"Ein legasthener/dyskalkuler Mensch, bei guter oder durchschnittlicher Intelligenz, nimmt seine Umwelt differenziert anders wahr, seine Aufmerksamkeit lässt, wenn er auf Symbole, wie Buchstaben oder Zahlen trifft, nach, da er sie durch seine differenzierten Teilleistungen anders empfindet als nicht legasthene/dyskalkule Menschen. Dadurch ergeben sich Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, Schreibens oder Rechnens."

 

Kinder mit Dyskalkulie/Rechenschwäche sind weder dumm, faul oder minderbegabt und schon gar nicht krank.

Kinder mit Rechenschwäche brauchen eine auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Förderung.